Das Horror-1 x 1 - Oder: Welche Formen des Horrors gibt es?
Horror besteht aus weit mehr als nur aus billigen Schockeffekten, Blutvergießen und schreienden Menschen. Das Genre ist unglaublich vielseitig und reicht von psychologischem Grusel über klassische Geistergeschichten bis hin zu brutalen Slashern, kosmischem Horror und apokalyptischen Szenarien. Es gibt Mischformen mit anderen Genres wie dem Psychothriller, dem historischen Roman oder der Romance und Fantasy.
Doch welche Horror-Genres gibt es eigentlich genau und was macht die einzelnen Formen des Horrors aus?
In diesem Blogartikel zum „Horror-1x1“ stelle ich einmal kurz die wichtigsten Sub-Genres und ihre Merkmale vor, zeige, wodurch sie sich unterscheiden und nenne ein paar bekannte Vertreter. Egal ob du dich für Horrorromane, Horrorfilme, düstere Videospiele oder schaurige Comics interessierst – hier findest du einen Überblick über die wichtigsten Arten von Horror. Denn das Genre ist gerade im literarischen Bereich viel mehr als immer nur Stephen King, H.P. Lovecraft und Edgar Allen Poe.
Was ist Horror eigentlich?
Horror bezeichnet grob gesagt Geschichten, Filme und andere Medien, die beim Publikum vor allem Angst, Unbehagen, Schrecken oder Ekel auslösen sollen. Dabei kann Horror auf ganz unterschiedliche Weise funktionieren.
Während zum Beispiel ein Slasher vor allem mit Gewalt, Verfolgung und einem schier übermenschlichen, meist maskierten Killer arbeitet, setzt der psychologische Horror wiederum auf Paranoia, Unsicherheit und die Angst vor dem eigenen Verstand. Im übernatürlichen Horror begegnen uns Geister, Dämonen oder andere Wesen, während der Body Horror die Veränderung und Zerstörung des menschlichen Körpers in den Mittelpunkt stellt.
Genau diese Vielfalt macht das Horror-Genre so interessant. Ich als Autor kann mich mit jedem Buch in ein neues Sub-Genre wagen und verschiedene Elemente in meinen Horrorgeschichten kombinieren, ohne dass es mir beim Schreiben und dir später beim Lesen langweilig wird.
1. Psychologischer Horror
Beim psychologischen Horror entsteht der Schrecken vor allem im Kopf. Statt sich ausschließlich auf Monster oder blutige Effekte zu verlassen, beschäftigt sich dieses Sub-Genre mit Angst, Wahn, Paranoia, Isolation, Identitätsverlust, Schuld und Trauma und der Zerbrechlichkeit der menschlichen Psyche.
Oft weiß der Leser (oder der Zuschauer nicht), was tatsächlich passiert und was möglicherweise nur Einbildung ist. Die Grenzen zwischen Realität und Wahn verschwimmen, weil der Erzähler der Geschichte zum Beispiel ein „unzuverlässiger Erzähler“ ist und das Geschehen nicht objektiv wiedergibt.
Psychologischer Horror kann besonders intensiv wirken, weil die Bedrohung nicht unbedingt sichtbar ist.
Bekannte Vertreter sind: „Shining“ von Stephen King, „Shutter Island“ von Dennis Lehane, „Das Kalendermädchen“ von Sebastian Fitzek und „Black Swan“ von Darren Aronofsky
2. Übernatürlicher Horror
Der übernatürliche Horror gehört zu den bekanntesten Formen des Horrors. Hier geht die Bedrohung von Kräften oder Wesen aus, die nicht mit den normalen Regeln unserer Welt erklärbar sind. Dazu gehören beispielsweise Geister, Dämonen, Flüche, Besessenheit, paranormale Phänomene und übernatürliche Wesen. Logik und Wissenschaft geraten im Kampf mit dem Übernatürlichen an ihre Grenzen und nicht selten wird Religion oder der Glaube an Gott als letztes Mittel gewählt. Klassischer Geisterhorror, Spukgeschichten oder Romane über verfluchte Häuser und andere Orte sind typische Beispiele für dieses Genre.
Bekannte Vertreter sind: „Der Exorzist“ von William Peter Blatty, „Spuk im Hill House“ von Shirley Jackson, „Friedhof der Kuscheltiere“ von Stephen King und „The Conjuring“ von James Wan
3. Geister- und Haunted-House-Horror
Das Geisterhaus-Genre, häufig auch als Haunted House Horror bezeichnet, konzentriert sich auf Orte, an denen angeblich oder tatsächlich übernatürliche Ereignisse stattfinden. Meist liegt der Ursprung des Ganzen in der Vergangenheit, wo ein grausames Verbrechen Auslöser des Spuks war. Alte Villen, verlassene Krankenhäuser, Hotels oder einsame Häuser werden dabei zu Schauplätzen des Grauens. Knarrende Türen, seltsame Geräusche und Erscheinungen, geheimnisvolle Räume und alte Familiengeheimnisse sind meist die Vorboten von einem ruhelosen Geist oder etwas anderem Bösen. Das Genre lebt häufig von Atmosphäre und dem Gefühl, dass sich etwas Unsichtbares im Hintergrund befindet.
Bekannte Vertreter sind: „The Amityville Horror“, „Das Geisterschloss“ von Robert Wise, „The Others“ aus dem Jahr 2001 und so ziemlich jede bekannte Poltergeist-Geschichte.
4. Dämonen- und Okkult-Horror
Beim diesem Sub-Genre stehen dämonische Wesen, Besessenheit und übernatürliche Kräfte im Mittelpunkt. Häufig überschneidet sich dieses Genre mit dem okkulten Horror, da Rituale, Flüche, Satanismus, schwarze Magie und geheimnisvolle Kulte wichtige Bestandteile der Handlung sein können. Der Reiz dieses Genres liegt häufig in der Vorstellung, dass Menschen Kräfte und Wesen heraufbeschwören, die sie anschließend nicht mehr kontrollieren können.
Bekannte Vertreter sind: „Das Omen“, „Rosemary’s Baby“ von Roman Polanski, „Insidious“ von James Wan und „Hereditary“ von Ari Aster.
5. Slasher
Der Slasher ist wohl eines der bekanntesten Horror-Untergenres. Das liegt weniger an bekannten literarischen Vertretern, sondern an unzähligen Kinofilmen. Der Slasher-Horror wurde besonders in den 80er Jahren durch das Kino populär und hat zahlreiche ikonische Killer wie Michael Meyers, Jason Vorhees und Freddy Krüger hervorgebracht. Das Erfolgsrezept war dabei ebenso simpel wie genial. Ein maskierter Killer, der mit einer möglichst spitzen und scharfen Waffe ausgestattet ist, jagt junge, meist betrunkene und leicht bekleidete Protagonisten zu besonderen Feiertagen oder an abgeschiedene Schauplätzen. Dabei lautete stets die Devise: Je blutiger, desto besser. In keinem anderen Horror-Genre ist es wohl vorgekommen, dass sich die Leser/Zuschauer auf die Seite des Bösen schlagen. Die Killer wurden durch unzählige Fortsetzungen im Laufe der Jahre zu den eigentlichen Helden.
Bekannte Vertreter sind: „Halloween“, „Freitag der 13.“, „A Nightmare on Elm Street“, „Scream“, „Chucky die Mörderpuppe“ und „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“
6. Splatter und Gore
Während beim Slasher der Killer und die Verfolgung im Vordergrund stehen, konzentriert sich Splatter-Horror stärker auf die Darstellung von Blut, Verletzungen und brutaler Gewalt. Gore geht häufig noch einen Schritt weiter und stellt die extreme körperliche Zerstörung möglichst drastisch dar. Hier geht es weniger darum, ob eine Szene realistisch ist, sondern darum, beim Publikum Schock, Ekel und Abscheu auszulösen.
Bekannte Vertreter sind: „Hellraiser“ von Clive Barker, „SAW“, „Hostel“, „The Girl next Door“ von Jack Ketchum und die französischen Terrorfilme wie „High Tension“, „Inside“ und „Martyrs“
7. Body-Horror
Der Body Horror beschäftigt sich mit der Veränderung, Verstümmelung oder Zerstörung des menschlichen Körpers. Durch die Verwandlung infolge von Mutationen, Parasiten, Infektionen, Amputationen oder fehlgeschlagene Experimente wird der Körper dabei selbst zur Quelle des Schreckens. Body Horror kann besonders verstörend sein, weil er eine Urangst anspricht: die Angst davor, dass der eigene Körper sich plötzlich gegen uns richtet und wir die Kontrolle über uns selbst verlieren.
Bekannte Vertreter sind: „Die Fliege“, „Die Körperfresser kommen“, „Das Ding aus einer anderen Welt“, „The Hellbound Heart“ von Clive Barker, „Ruins“ von Scott Smith
8. Monster-Horror und Creature Feature
Beim Monster oder Creature Horror wird die Bedrohung von einem nichtmenschlichen Wesen verursacht. Dazu können klassische Monster ebenso gehören wie völlig neuartige Kreaturen, die Menschen jagen und töten. Die Bandbreite reicht von Vampiren und Werwölfen über Aliens bis hin zu mythischen Wesen. Monster-Horror kann dabei sowohl ernst und düster als auch actionreich oder unterhaltsam sein.
Bekannte Vertreter sind: „Wolfman“, “Dracula“, „An American Werewolf in London“, „Alien – Das unheimliche Wesen aus einer anderen Welt“, „Predator“, „Frankenstein“, „Die Mumie“, „Das Relikt“
9. Zombie-Horror
Der Zombie-Horror gehört spätestens seit der Serie „The Walking Dead“ zu den bekanntesten und beliebtesten Horror-Untergenres. Untote Menschen werden zu einer tödlichen Bedrohung für die Überlebenden. Dabei geht es häufig nicht nur um die Zombies selbst. Viele Zombiegeschichten beschäftigen sich auch mit dem Verhalten der Menschen während oder nach einer Katastrophe. Themen wie Überleben, Gruppendynamik, Moral, Ressourcenknappheit und der Zusammenbruch der Gesellschaft spielen deshalb häufig eine wichtige Rolle. Überschneidungen zu Katastrophenthriller, Dystopien und Science-Fiction-Horror kommen dadurch recht häufig vor.
Bekannte Vertreter sind: „World War Z“ von Max Brooks, „I am Legend“ von Richard Matheson, „28 Days Later“, „Night of the Living Dead“ von George A. Romero
10. Gothic-Horror
Gothic Horror lässt sich tatsächlich nicht immer klar von übernatürlichem Horror oder Haunted-House-Horror trennen. Der entscheidende Unterschied liegt eher darin, wie der Horror inszeniert wird. Hier geht es weniger um ein einzelnes Bedrohungs- oder Handlungsmuster, sondenr mehr um eine bestimmte Ästhetik und Atmosphäre des Schreckens. Im Mittelpunkt stehen häufig düstere Schauplätze, alte Gemäuer, Verfall, Einsamkeit, Familiengeheimnisse, eine unheimliche Vergangenheit und die ständige Präsenz von Tod und Vergänglichkeit. Das Übernatürliche kann dabei eine wichtige Rolle spielen, muss aber nicht zwingend vorhanden sein.
Bekannte Vertreter sind: „Der Untergang des Hauses Usher“ von Edgar Allen Poe, „The Woman in Black“ von Susan Hill, „Sleepy Hollow“, „Crimson Peak“
11. Folk-Horror
Der Folk Horror gehört zu den atmosphärisch besonders interessanten Horror-Genres. Er nutzt traditionelle Bräuche, alte Mythen, Religionen, Rituale und abgeschottete Gemeinschaften als Quelle des Schreckens. Im Folk Horror entsteht das Grauen häufig dadurch, dass eine fremde Person mit einer alten und geheimnisvollen Gemeinschaft konfrontiert wird.
Bekannte Vertreter sind: „The Redding“ von Adam Nevill, „The Wicker Man“, „Midsommar“ von Ari Aster, „The Rital“, „The Village“
12. Cosmic-Horror und Lovecraftian Horror
Beim Cosmic Horror, auch kosmischer Horror genannt, geht es um die Vorstellung, dass der Mensch im Universum unbedeutend und machtlos ist. Die Bedrohung kommt häufig aus unbekannten Dimensionen oder von Wesen, deren Existenz und Macht unser menschliches Verständnis weit übersteigen. Die Entdeckung dieser „Wahrheit“ treibt die Figuren oft in den Wahnsinn und Tod. Eng verbunden ist dieses Genre mit dem Schriftsteller H. P. Lovecraft und seinem „Cthulhu-Mythos“, weshalb auch häufig vom Lovecraftian Horror gesprochen wird.
Bekannte Vertreter sind: „Berge des Wahnsinns“, „Die Farbe aus dem All“, „Der Ruf des Cthulhu“, „Underwater“, „Event Horizon“
13. Found-Footage-Horror
Beim Found-Footage-Horror wird die Geschichte so erzählt, als würden wir Aufnahmen ansehen, die von den Figuren selbst gemacht wurden. Handykameras, Überwachungskameras, Camcorder oder andere vermeintlich „gefundene“ Aufnahmen erzeugen dabei einen dokumentarischen Eindruck. Das kann besonders realistisch wirken, weil der Zuschauer das Gefühl bekommt, nicht einfach einen Horrorfilm anzusehen, sondern tatsächlich vorhandenes Videomaterial zu betrachten.
Bekannte Vertreter sind: „The Blair Witch Project“, „REC, „Paranormal Activity“ und „Cloverfield“
14. Home-Invasion-Horror
Beim Home-Invasion-Horror wird ein vermeintlich sicherer Ort zum Schauplatz des Grauens: das eigene Zuhause. Fremde, Monster oder eine andere böse Macht dringen in ein Haus oder eine Wohnung ein und bedrohen die Bewohner. Dadurch entsteht ein besonders unmittelbares Gefühl der Unsicherheit. Denn wenn selbst das eigene Zuhause nicht mehr sicher ist – wo soll man dann noch hin?
Bekannte Vertreter sind: „Funny Games“, „The Strangers“, „Don’t Breathe“, „The Purge“, „The Collector“
15. Survival-Horror
Survival Horror konzentriert sich auf das Überleben in einer lebensbedrohlichen Situation. Besonders bekannt ist der Begriff aus der Welt der Computerspiele, findet sich aber ebenso in Filmen und Romanen wieder. Die Protagonisten müssen häufig mit begrenzten Ressourcen gegen übermächtige Gegner bestehen. Hier findet man oft Einschläge von anderen Sub-Genres wie dem Slasher, dem Monster- und auch psychologischem Horror – je nachdem, welche Art von Gegner den Helden gegenübersteht. Grundsätzlich ist das Ziel des Überlebens gegen das Böse einer der Eckpfeiler des gesamten Horror-Genres.
Bekannte Vertreter sind: „Alien“, „The Descent“, „The Ruins“, „World War Z“, „A Quiet Place“, „Resident Evil“
16. Sci-Fi-Horror
Science-Fiction-Horror verbindet wie es der Name schon verrät Elemente der Science-Fiction mit Horror. Die Handlung kann beispielsweise im Weltraum, auf einem fremden Planeten oder in einer dystopischen Zukunft spielen. Sci-Fi-Horror zeigt häufig, dass wissenschaftlicher und technologischer Fortschritt nicht immer etwas Gutes bedeuten muss. Denn die Bedrohung kommt zwar teilweise von einer fremden Lebensform wie Aliens, aber genauso durch Mutationen, künstliche Intelligenz und fehlgeschlagene Experimente.
Bekannte Vertreter sind: „Alien“, „Solaris“, „Predator“, „Species“, „Die Fliege“, „Das Ding aus einer anderen Welt“ „Pandorum“, Sunshine“, „Splice“
17. Apokalyptischer und postapokalyptischer Horror
Im apokalyptischen Horror steht der Untergang der uns bekannten Welt im Mittelpunkt. Ursachen können Pandemien, Zombies, Naturkatastrophen, Kriege, Monster oder andere Ereignisse sein. Der postapokalyptische Horror setzt dagegen häufig nach dem Zusammenbruch der Gesellschaft ein. Hier geht es um eine Welt, in der die bisherigen Regeln nicht mehr funktionieren. Oft müssen die Protagonisten eine neue Zivilisation aufbauen und treffen dabei ebenso auf Hindernisse und Widrigkeiten.
Bekannte Vertreter sind: „The Stand“ von Stephen King, „Bird Box“, „The Road“ von Cormac McCarthy, „Dawn of the Dead“, „Children of Men“, „The Crazies“
Horror ist selten nur ein einziges Genre
Du wirst es sicher schon bemerkt haben: die Grenzen zwischen den einzelnen Horror-Sub-Genres sind fließend. Immer wieder kommt es zu Mischformen, Überschneidungen und eine genaue Abgrenzung ist teilweise sehr schwierig. Ein Horrorfilm kann gleichzeitig ein Slasher, Splatter und psychologischer Horror sein. Ein Film über Vampire kann Elemente aus dem Gothic Horror, dem Body Horror und übernatürlichem Horror enthalten.
Gerade diese Mischung macht das Horror-Genre so vielseitig und meiner Meinung nach so faszinierend.
Welches Horror-Genre ist das richtige für dich?
Wer Angst und Spannung liebt, findet im Horror-Genre zahlreiche unterschiedliche Möglichkeiten.
Du magst mysteriöse Geschichten? Dann könnten Geisterhorror, Haunted House Horror oder übernatürlicher Horror interessant sein.
Du möchtest brutale Gewalt und blutige Effekte? Dann sind Slasher, Splatter, Gore und Bodyhorror die passenden Begriffe.
Du hast Angst vor dem Unbekannten und dem Unbegreiflichen? Dann solltest du Cosmic Horror und Lovecraftian Horror ausprobieren.
Und wenn du klassische Monster liebst, bieten Vampire, Werwölfe, Aliens und Zombies jede Menge Auswahl.
Dank der zahlreichen Mischformen bietet das Genre nahezu für jeden Geschmack genau das Richtige. Vielleicht findest du ja auch hier auf meiner Website unter einem meiner eigenen zahlreichen Horrorromane die perfekte Geschichte für dich.